Banner

Was ist Dispokinesis?

Disposition bedeutet für den professionellen Musiker, seine musikalischen Vorstellungen instrumental oder stimmlich ungehindert ausdrücken zu können. Die Dispokinesis kann oft helfen, wo Instrumentalpädagogik oder ärztliche Behandlung dem Musiker keine Besserung gebracht haben. Sie richtet sich an Musiker mit:

  • Spielproblemen - Atemproblemen
  • Haltungs- und Bewegungsproblemen
  • Ermüdungserscheinungen - Schmerzen
  • Stress und Bühnenangst

Dem Musiker wird geholfen durch:

  • Wieder-Bewusstwerdung der "Urgestalten von Haltung und Bewegung"
  • Aufbau der richtigen Körper- und Atemstütze
  • Verfeinerung sensorischen und sensomotorischen Fähigkeiten
  • Entwicklung einer Feinmotorik initiierten Instrumentaltechnik
  • Individuelle Instrumentalergonomie und Ausdrucksdisposition

Der Pianist und Physiotherapeut G.O. van de Klashorst entwickelte nach den neuesten Erkenntnissen der funktionalen Anatomie, der Neurophysiologie, Psychologie und sensomotorischen Lern- und Bewegungsprozesse die Dispokinesis (Wortschöpfung aus: "disponere" = lat. verfügen können über und "kinesis" = griech. Bewegung). Er gilt heute weltweit als einer der erfahrensten und erfolgreichsten Fachleute in der Behandlung von Musikerkrankheiten. Durch die von ihm entwickelten Übungen der "Urgestalten von Haltung und Bewegung" kann dem Musiker seine ursprüngliche "natürliche" Motorik bewußt und verfügbar gemacht werden. Der Musiker lernt seine angelernten künstlichen Bewegungsmuster erkennen und kann sie durch seine individuelle ursprüngliche Form ersetzen.

NACH OBEN

Bis zum heutigen Tag haben über 138 Musiker mit abgeschlossenem Hochschulstudium die spezielle 2 jährliche Ausbildung zum Dispokinetopaed (Dispokineter) durchlaufen. In der Dispokinesis helfen Musiker Musikern, ihre individuelle Disposition wiederzuerlangen.

Ursachen von Musiker-Indispositionen können sein:

  • unvollständige motorische Entwicklung
  • kineto-motorische Erkrankungen
  • schlechte Haltung (häufigste Ursache von Musiker Spiel Probleme)
  • falsche Bewegungsvorstellungen in der Instrumentaltechnik
  • unreife mentale Entwicklung für den Musikerberuf
  • Überbelastung durch Erfolgszwang und Ehrgeiz
  • psychische Belastungen durch Erziehung und Schule
  • mangelhafte Instrumentalergonomie
  • Atemprobleme und falsche Vorstellung von Atemstütze
  • psychische und physische Belastungen im Berufsleben
  • schlechte Instrumente

Die Symptome einer beginnenden Indisposition sind häufig vage und nicht meßbar. Daher werden sie nicht als solche erkannt und als notwendiger Teil des Instrumentalspiels in Kauf genommen. Nach längerer Zeit kommt es schließlich zu Bewegungshemmungen und Schmerzen. Der Musiker begibt sich in ärztliche Behandlung. Soweit gefährliche Krankheiten ausgeschlossen werden lauten die häufigsten Diagnosen der Schulmedizin bei Musikerleiden: Sehnenscheidenentzündung und Verletzung durch Überbelastung (RSI)

Die verschriebenen Therapien (Ruhestellung, Gips, Spritzen, Massagen / KG und Muskelaufbautrainierung) bringen dem Musiker meistens nach einer anfängliche Besserung bei seiner Rückkehr ins Berufsleben keine dauerhafte Heilung. Die allermeisten Ärzte haben aufgrund ihrer Ausbildung nur unzureichende Kenntnisse in Bezug auf die motorische Komplexität der Instrumentaltechnik und den Folgen von angelernten falschen Bewegungsvorstellungen. So können sie die tieferen Ursachen der Indisposition oft nicht erkennen und nur die Symptome kurzfristig behandeln.

Die Dispokinetopädie wirkt tief in die Vorstellungskraft des Musikers ein und erweitert seine sensomotorischen Fähigkeiten. Dadurch erlebt er die motorische Umsetzung seiner inneren Bewegtheit (seines musikalischen Ausdruckswillens), seine Haltung, Atmung und Spieltechnik neu. Durch die wiedergewonnene individuelle Disposition ändert sich seine Haltung und Atmung, sein Muskeltonus und seine psychische Verfassung. Er erlebt eine Leichtigkeit in seiner Instrumentaltechnik, die zur Freiheit im Ausdruck führt.

Das Rückkoppeln zwischen dem wiedererlangten Einfühlungsvermögen und der eigenen Emotionalität ist Selbsterkennung. Dadurch ist es möglich, die eigene innere Absicht unverfälscht auszudrücken. Dann erst ist man fähig, weiter zu wachsen, sich weiter zu entwickeln. Die eigene Disposition neu zu erleben, ermöglicht ein völlig neues Musizierniveau, führt zu Ursprünglichkeit und fördert die Kreativität.

NACH OBEN

From: "The Disposition of the Musician"
Bearbeitung und Übersetzung : Chr. Kreihsler und Joachim Schiefer