Aus der Praxis: Supination
Besprechung:
Aus den veröffentlichten Untersuchungen von Prof. Chr. Wagner - Hannover Musik-Physiologisches Institut an der Hochschule für Musik, stellte sich heraus, daß sich biomechanisch verringerte Supinations-Möglichkeit bei jungen Geigern, oder Pronations-Möglichkeit bei jungen Klavierspielern nach dem 16. Lebensjahr auch durch intensives Üben nicht verbessert hat und diese Studenten zwischen dem 22. und dem 26. Lebensjahr große Probleme in Ihrer Instrumentaltechnik bekommen.
In folgenden Fällen haben wir es mit durch Wagner beschriebene Supinations-Blockaden zu tun.
| Person 1: | 22 Jahre, männl.; Student im 5.Semester - Fach: Geige-Orchesterausbildung |
|---|---|
| Beschwerden: | Schmerzen im linker Unter- und Oberarm. |
| Diagnose: | Kongenitale Beschränkung der Supination, links mit 25 Grad. |
| Beratung: | Nach Beratung unter der Leitung von Prof. Dr.v.d.Meulen. - Direktor der Klinik - hat Dr. van Drunen. die Operation erfolgreich durchgeführt, sodaß P1 seine Karriere weiter entwickeln konnte. |
| Besprechung: | Die Probleme bei räumlich behinderter Supination und/oder Pronation - bei Geigern und Klavierspielern sind schon vor Jahren durch Prof. Wagner des Hannoveraner Instituts für Musikphysiologie signalisiert worden. Obenerwähnte Person 1 ist nach meinem Kenntnisstand der erste Geiger, welcher mit dieser Diagnose operiert worden ist. Nach den Operation erhielt der Patient als Nachbehandlung Bewegungspägogische Anweisungen zum Geigespiel von mir. |
| Person 2: | Geigerin - 24 Jahr - 4. Semester. |
|---|---|
| Beschwerden: | starke Schmerzen im linker Ober- und Unterarm,
progressiv seit einem Jahr. Status Präsens beim 1. Kontakt: Weiterspielen nicht möglich wegen unerträglichen Schmerzen. |
| Diagnose: | Vom Knochen reduzierte Exkursion der Supination.
Kein Unfall in der Anamnese. Die Supinations-Einschränkung wurde schon vor 6 Jahren durch Prof. Chr. Wagner diagnostiziert ohne das Konsequenzen gezogen wurden. Nach Untersuchung durch Dr. v. Drunen stellte sich heraus, daß diese Einschränkung nicht operabel war. Dadurch war für P2 eine erfolgreiche Fortbildung im Fach Geige nicht möglich. Die bis dahin entwickelte Klaviertechnik als 2. Fach reichte, um auf das Hauptfach Klavier umzusteigen, wo diese Anomalie keinen beschränkenden Einfluß hat. Nach einem Attest meinerseits konnte P2 auf Klavier im 3. Semester umsteigen. |
| Person 3: | Geiger - 19 Jahre - 1. Semester |
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| Beschwerden: | Anfang 1992 Unterarm-Schmerzen links. Krampus und schnelle Ermüdung. Finger fühlten sich wie gebremst. |
| Anamnetisch: | P3 spielte seit seinem 6. Lebensjahr Geige.
Ab 1991 studierte er auch Bratsche: Seit dieser Zeit entstanden die
Beschwerden. P3 ist kein sportlicher Mensch. Erzählt, daß er immer langsam war bei Gymnastik und Turnen in der Schule - motorisch träge. Auf Grund meiner Beobachtungen war eine Vertiefung der Krankheitsgeschichte erforderlich: Geburt: Frühgeburt (7. Monat) mit Untergewicht. Brutkasten. Das Sitzen geschah mit 5 Monaten, Laufen erst mit 2 Jahren. Sprechen schnell und flott mit 18 Monaten. |
| Untersuchung: |
Anatomie: eingeschränkte Supination des linken Armes Lokalisation: Schmerzen ulnare Seite / Unterarm li > re Attitüde: ad-zentrisch motorisch dominant. Tonus: verspannte Muskel und Weichteile im Bereich Schulter/Arm Haltung a) leicht "losgelassener" Haltungsausdruck, bis zu ängstlich. im Spiel: b) beim stehenden Spiel Backward carriage; im Sitzen: c) Deflektion des Beckens. Bau:normal. Bio-mechanisch: Eingeschränkte Supinations-Exkursion im linken Unterarm Motorische Entwicklung: ungenügend statische Koordination Koordination: a) Grobmotorik: eckig und wenig fließend.b) Feinmotorik: zu wenig entwickelt für das Studium Geige. Ausdruck: Der motorische Ausdruck ist überwiegend ad-zentrisch. Der e-zentrische Ausdruck ist zu wenig bewußt. Mot-Funktion: Im Spiel: grobmotorische Dominanz der Bewegungsabläufe, Vibrato: zu gekünstelt, angelernt. Geigen-Lage: zu verspannt mit Protraktion der linken Schulter. Stütze: zu niedrige Schulterstütze |
| Diagnose: | Musikalisch ist P3 genug gereift, um die Anforderung dieses Studiums zu leisten. Motorisch ist er noch zu unreif, insbesondere die sensomotorische Reifung ist sehr spät. |
| Besprechung: | Probleme in Zusammenhang mit Schmerzen, Krampus und Dysfunktion kommen immer erst, wenn die Vorstellung nicht mit der Bewegungsreifung übereinstimmt. Die Retardierung der motorischen Reifung ist mit guter Übung ziemlich rasch nachzuholen, meinte ich.. |
| Strategie: | Ein sensomotores Training mittels Dispokinesiopaedie1, gefolgt durch instrumental-motorisch gerichtete Ausdrucks-Disposition könnte hilfreich sein, seinen Entwicklungsausgleich zu finden. |
| Verweisung: | Nach Untersuchung durch Dr.van Drunen wurde der Patient nach einer Vorbereitung mittels Dispokinesiopaedie operiert und nachher instrumental-technisch in unserem Institut geschult. Heute ist P3 schon einige Jahren ein begeisterter Orchester-Bratschist. |
Anmerkungen:
1): Die Erfahrung hat gezeigt, daß eine prae-operative Vorbereitung mittels Dispokinesiopaedie, die postoperative Behandlungszeit verkürzt und die Neugestaltung der Spieltechnik wesentlich verbessert.