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Lebenslauf G.O. van de Klashorst

G.O.v.d.Klashorst

G.O.v.d.Klashorst

Gerrit Onne van de Klashorst wurde 1927 in Aerdenhout/Holland geboren. Sein Vater war Solocellist, Kammermusiker und Pädagoge in Haarlem, seine Mutter war Gymnasiallehrerin und Künstlerin für Keramik. G.O.v.d. Klashorst studierte von 1932-1945 Klavier und später Geige, Cello und Gesang.

Nachdem er 1946 bei einem Unfall in Indonesien zwei Fingerglieder seiner rechten Hand verloren hatte, studierte er ab 1949 Physiotherapie und Anatomie und die damals unter der Bezeichnung Kinesiologie bekannten Bewegungswissenschaften.

Der schon während der Kriegszeit entstandene Dialog mit seinem Vater führte G.O.v.d.Klashorst zur Vertiefung seines Denkens über die Ursachen von Musikerindispositionen, intrumentaltechnischer oder methodischer Art. Er erkannte, daß durch bestehende Körper- und Bewegungslehren keine dauerhafte Änderung zustande kam. Er entdeckte, daß es durch die bewußte Rückführung zu der ursprünglichen natürlichen Form möglich war, zu einer andauernden Form von Haltung und Bewegung zu gelangen. Diese Form nannte er "Disposition". Auf der Suche nach einem Lernprozeß zur Verbesserung der individuellen körperlichen Ausdrucksfähigkeit entwickelte er die "Urgestalten von Haltung und Bewegung". Aus diesen Erkenntnissen und Studien der funktionalen Bewegungsabläufe verschiedener Musikinstrumente sowie der funktionalen Atmung entstand die Dispokinesis.

Institut van de Klashorst

Das "Pieter Pauw Hospital" in Wageningen
mit dem "Institut van de Klashorst"

1959 gründete G.O.v.d. Klashorst sein später in ganz Europa bekanntes Institut van de Klashorst zur Behandlung von Ausdrucksindispositionen für Musiker als auch von Patienten mit allgemeinen Haltungs- und Fehlbewegungsstörungen. Das Institut, niedergelassen in einem eigens dafür errichtetem Gebäude des Pieter Pauw Hospitals in Wageningen, fand durch die Einbindung und Funktionalität des Krankenhauses hervorragende Möglichkeiten. Es ermöglichte eine klinische Kooperation mit den meisten medizinischen Fachgebieten. Die Dispokinesis wurde von Anfang an als eigenständige Behandlungsmöglichkeit vor allem für Musiker, klinische Patienten und in Rehabilitätsprogrammen eingesetzt.

1965 arbeitete das Institut van de Klashorst hauptsächlich mit 5 Patientengruppen. Es gab

  • eine therapeutische Abteilung für Musiker mit Spielproblemen,
  • eine pädagogische Abteilung für Muisker mit spieltechnischen Problemen nicht pathologischen Ursprungs,
  • eine Abteilung für motorisch retardierte Kinder,
  • eine allgemeine Abteilung für klinische und poliklinische Patienten und
  • eine spezielle Abteilung für die Behandlung von therapieresistenten Patienten mit Schleudertrauma (Whiplash, cervikal spine resistente injured patients).

Es bestand eine 10jährige enge Zusammrenarbeit mit Prof. Dr. J.M.B.V. de Jong, Neurologe / Neurophysiologe am Amsterdam Medical Center of the Amsterdam University (AMC) mit dem Ziel der parallelen chiropraktischen und dispokinetischen Behandlung von Patienten mit Schleudertrauma.

1977 wurde vom Institut van de Klashorst eine Beratungsgruppe zur Untersuchung und Behandlung motorisch retardierter Kinder formiert. Sie bestand aus einem Pediater, einem Psychologen, einem Neurologen, einem Orthopäden, einem Physiotherapeuten, einem Paediater-Physiotherapeuten und einem Schularzt. Dadurch bekam die Therapie dieser Kinder einen tiefen wissenschaftlichen und praktischen Ansatz.

Musiker-Orchester-Stuhl

Musiker-Orchester-Stuhl

Ein immerwährendes Anliegen von G.O. van de Klashorst war die Verbesserung der Sitz- und Instrumental-Ergonomie.

Schon 1947 entwickelten er und sein Vater eine Sitzkissenauflage für Cellisten mit positiver Sitzflächenneigung. Nachdem durch empirische und wissenschaftliche Studien belegt war, daß das Kissen entscheidend zu einer Verbesserung der Sitzhaltung beitrug, fand es unter der Bezeichnung "Dispokissen" auch bei allen anderen im Sitzen spielenden Instrumentalisten Verwendung.

In Zusammenarbeit mit Orchestermusikern entstand ein wissenschaftliches Konzept für einen Musiker-Orchester-Stuhl, der von der Firma Gispen + Staalmeubel bv hergestellt wurde und in vielen holländischen Orchestern erfolgreich eingesetzt wird. Auch entwickelte er eine Daumenstütze für Klarinettisten, welche viele Probleme der rechten Hand beheben konnte, die von Caspar v.d. Spek gefertigt wurde. Für Gitarristen entwickelte er statt einer Fuß- eine Beinstütze, die zu einer wesentlichen Verbesserung der Sitzhaltung und, wie auch bei den anderen Entwicklungen, zu einer Befreiung der Feinmotorik führte.

1965 gründete er die Stiftung: "Nederlands Centrum v. Dispokinesis", die bis 1998 in Holland bestand.

In den 60iger Jahren entstanden aus dem Bedürfnis der Weiterbildung von Physiotherapeuten und Musikern zuerst Intensivseminare und ab 1968 ein Lehrgang in Dispokinesis, welchen er als postakademischen Fortbildungslehrgang "Dispokinetopaedagogie und Therapie" für Musiker und Physiotherapeuten in Wageningen etablierte.

1977 schrieb er das Buch "Inleiding in de Dispokinesiotherapie et Paedie", das 1994 in deutscher Übersetzung erschien (Verlag: Deutsches Zentrum für Dispokinesis).

1969 bis 1974 war G.O. van de Klashorst zusätzlich Dozent für Dispokinesis am Sweelinck Konservatorium in Amsterdam.

1990 formte das Institut v.d. Klashorst eine Musikerberatungsstelle zur Behandlung von Musikern und zugleich das "International Center for Dispokinesis" in Oberhausen, Deutschland.

Seit 1991 wird auch der Fortbildungslehrgang von hier aus in Deutschland organisiert. Sein erklärtes Ziel, noch ca. 100 Musiker in Deutschland zum Dispokineter auszubilden, hat er mittlerweile längst erreicht.

1997 gab er die Organisation des Lehrgangs an die "European Dispokinetopaeds and –therapists assosiation" (EGD) ab, um sich, neben seiner unermüdlichen Arbeit mit der Behandlung von Musikerleiden, dem Verfassen seines neuen Buches "The Disposition of the musician", das bei Broekmans & van Poppel, Amsterdam, erschienen ist, zu widmen. Die individuell gestalteten Lehrgänge 1 Basic und II SIDP werden durch ihn weitergeführt.

Seit 1998 ist die Adresse des "International Center for Dispokinesis" und Institut van de Klashorst: Düsseldorferstraße 4, 45481 Mülheim/Ruhr.

Ab 2002 werden die Lehrgänge für mehr als eine Person wieder durch den ICfD eingestellt. Dazu entwickelte er einen dritten Intensiv-Lehrgang DIRP, welcher eine Vertiefung der pädagogischen und therapeutischen Aspekte der Dispokinesis beinhaltet.